6. Tag

 

Kocher - Jagst - Altmühl

27.08.2006
von Rothenburg o. d. Tauber nach Weissenburg
121 km

Ich frühstücke um 08.00 Uhr und fühle mich in meiner Ansicht bestätigt, dass der Gasthof sich Sparsamkeit auf die Fahnen geschrieben hat. Es gibt 2 Brötchen und abgezählten Aufschnitt. Bei der Abfahrt ist es stark bewölkt und viel kühler und windiger als gestern. Da ist die Regenjacke genau das richtige Kleidungsstück.

Gleich nach Unterquerung der A 7 beginnt eine Steigung, die vor dem Örtchen Wachsenberg extrem steil ist. Ich mache mich nicht kaputt und schiebe die Rampe hoch. Es folgt ein längeres Waldstück, das zu den Ausläufern der Frankenhöhe gehört. Es geht stetig bergauf und -ab, natürlich bei ständigem Gegenwind. Ich beobachte eine größere Ansammlung von Leuten mit Pferden und frage mich, was woh

Western-Treffen 

Altmühlquelle 

Hornumer Weiher 

l der Anlass des Treffens ist. Ein netter Reiter klärt mich auf: es handelt sich um das jährliches Western-Treffen, bei dem Turniere und Wettspiele veranstaltet werden.

In der Gegend von Hornau befindet sich die Quelle der Altmühl. Ich radle zu dem ausgeschilderten Punkt und mache ein Foto von dem Quellstein. Eigentlich lässt sich die Quelle nicht genau lokalisieren, da mehrere Bäche in einen Teich, dem sog. Hornumer Weiher fließen. Von dort aus kann man dann tatsächlch von der Altmühl sprechen.

Es geht jetzt wieder bergab ins Tal. Ich durchradle Binzwangen mit schöner Kirche und befinde mich anschließend nach Passierens eines großzügig angelegten Golfplatzes in Colmberg. Das Stadtbild wird von der auf einem Berg gelegenen Burg geprägt. Heute am Sonntag findet hier ein kleines Fest statt. Ich raste und gönne mir ein kühles Radler. Von Colmberg aus kann man einen Ausflug ins 30 km entfernte Ansbach machen. Von dieser Option mache ich aber keinen Gebrauch, sondern setze die Fahrt im Tal der Altmühl fort. Man kann überhaupt keine Fließgeschwindigkeit feststellen. Vermehrt sieht

Binzwangen 

Burg Colmberg 

Leutershausen 

in Leutershausen 

man sogar Seerosen. Aus dem  Internet habe ich erfahren, dass zwischen Quelle und Mündung nur
100 m Gefälle vorhanden sind, und das bei einer Flusslänge von 230 km. Da ist es kein Wunder, dass nichts fließt.

Gegen 12.00 Uhr durchfahre ich Leutershausen, eine schmucke kleine Stadt, die ihrem berühmten Sohn Gustav Weißkopf (Gustave Whitehead) ein Denkmal gesetzt hat. Besagter Herr war Anfang des 20. Jahrhunderts einer der bedeutenden Flugpioniere.

Flach geht es weiter. Der Wind hat gedreht und bläst recht kräftig von hinten. Da kommt man schnell voran. Im Nu bin ich in der Nähe von Herrieden . Auf einer  Bank gönne ich mir eine Pause und schaue in das hier sehr breite Tal. Herrieden ist ein netter Ort mit einer gut erha

Herrieden 

Großenried 

Ornbau 

Altmühlsee 

ltenen Stadtmauer. Berühmt sind das Storchentor und die beiden mächtigen Kirchen.

Jetzt folgt eine dünn besiedelte Landschaft. Ich fahre im wesentlichen dem Flußlauf folgend. In Großenried wird ein Foto von der Kirche gemacht, in Ornbau findet heute ein Stadtfest mit großem Flohmarkt statt, der sich über die gesamte malerische Altstadt erstreckt. Ich esse eine Wurst vom Grill und trinke eine Apfelschorle.

Hinter Ornbau geht der Radweg entlang dem Altmühl-Zuleiter. Dies ist ein Kanal, der für die Wasserspeisung des nahen Altmühlsees errichtet wurde. Der Weg ist nun nicht mehr geteert, lässt sich aber gut befahren. Ich bin erstaunt, wie groß der Altmühlsee ist. Er hat eine Fläche von 450 ha und wurde 1985 künstlich angegelegt. Früher trat die Altmühl hier mehrfach jährlich über ihre Ufer und bildete ein fast 2000 ha großes Überflutzungsge

Gunzenhausen 

Gunzenhausen 

kleine Rast in schöner Natur 

biet. Ein Teil der Flächen steht unter Naturschutz. Am See hat man auch Badestellen eingerichtet (mit künstlichem Strand). Heute ist es allerdings nicht so warm, dass ich Lust hätte zu baden.

Es folgt nun Gunzenhausen, ein relativ großer Ort mit schöner Innenstadt. Ab hier ändert sich die Beschilderung des Altmühlweges . Die weißen Schilder werden von länglichen braunen abgelöst. Der Name des folgenden Dorfes heißt Aha. Die Kirche ist mir ein Foto wert.

In der Nähe von Dittenheim finde ich nicht den richtigen Weg, da ich den Übergang über die Bahngleise verpasse. Unvermittelt lande ich in einer Sackgasse eines stillgelegten Bahnhofes. Die Bahntrasse ist fortan für lange Zeit mein Begleiter. Orte sind kaum anzutreffen. Auf der linken Seite ist in einiger Entfernung der Flusslauf zu erkennen.

Mein Nachtquartier möchte ich heute in Weissenburg aufschlagen. Zu diesem Zweck komme ich der Empfehlung im Radwanderführer nach und verlasse kurz vor Markt Berolzheim die Altmühlstrecke und begebe mich ins Hügelland Richtung Weissenburg. Auf kleinen Sträßchen fahre ich dann so gegen 17.15 Uhr in die Stadt ein. Der erste Eindruck ist äußerst positiv. Die Altstadt weist eine fast geschlossene Stadtmauer auf. Überall trifft man auf Relikte der Römerzeit. Ich finde schnell das von unterwegs aus reservierte Hotel Krone , wo ich heute der einzige Gast bin. Das Hotel ist erst kürzlich grundsani

Innenstadt von Weißenburg 

Stadtmauer und -Silhouette 

Castrum Biriciana 

am Marktplatz 

ert worden. Die Zimmer sind sehr gut eingerichtet. Ich zahle 40 EURO für die Übernachtung mit Frühstück.

Nach dem Duschen mache ich wie üblich eine Ortsbegehung und bekomme viele schöne Motive vor die Linse. Etwas außerhalb liegen die Römischen Termen und das Castrum Biriciana. Leider fängt es leicht an zu regnen, so dass ich die Besichtigungstour nicht länger ausdehne. Mein Hotel bietet heute kein Abendessen an, dafür finde ich in der Traditionsgaststätte “Goldener Adler” einen schönen Platz. Das Lokal ist sehr gut besucht. Die Leute gehen hier mit ihren Familien am letzten Tag der Kirchweih´ essen. Die “Adlerplatte” schmeckt ausgezeichnet. Hierbei handelt es sich um einen Spieß- und Schweinebraten mit viel Kraut dabei. Da schmeckt das Bier aus der eigenen Brauerei besonders gut.

Leider regnet es nun etwas mehr, so dass ich in mein Hotelzimmer gehe und ein bisschen im Fernsehen rumzappe. Meinen mitgenommenen Roman (Kennedys Hirn ) lese ich zu Ende und schlafe dann irgendwann so gegen 22.00 Uhr ein.

Wetter:
anfangs leichter Regen, dann immer freundlicher bis hin zum blauen Himmel, nicht sehr warm, nur etwa 19 Grad, abends wieder Regen.